Die Krise der Tageszeitung, die eigentlich keine ist

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Im Moment scheint es Schlag auf Schlag zu gehen: Springer-Chef Mathias Döpfner kündigt eine Paywall für Welt Online und in Zukunft auch für Bild Online an. Gleichzeitig meldet die Frankfurter Rundschau Insolvenz an. Doch das Wort Krise ist hier unangebracht. Denn es ist keine Systemkrise, sondern ein Systemwandel.

Es tut wirklich weh, wenn ein Traditionsblatt wie die Frankfurter Rundschau womöglich bald nicht mehr am Kiosk vertreten ist. Ob es soweit kommen musste, darüber lässt sich streiten. Die FR versuchte im hart umkämpften und sehr kleinen Markt der überregionalen Tageszeitungen mitzumischen. Auch kam mit der tageszeitung (taz) im Laufe der Jahre ein junger und frischer Konkurrent, der die Zielgruppe kräftig aufmischte. Andererseits war die FR ein Vorreiter im Tablet-Bereich. Einer der ersten und wohl auch besten Apps kamen von der FR. Auch ihr Abo-Angebot* war/ist vorbildlich. Letztlich hat aber alles nicht gereicht und die Zeitung entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem Millionengrab.

Alleine ist sie mit dieser Entwicklung nicht. Die Auflagen schrumpfen seit mehr als zehn Jahren kontinuierlich und die Situation scheint schlechter zu werden. Die häufigste Begründung für die Entwicklung ist die Gratiskultur des Internets. Hier wird für Inhalte nicht gezahlt, demnach sind sie weniger wert und den Verlagen bricht ihre Einnahmequelle weg. Die Tageszeitung als Geschäftsmodell an sich befindet sich folglich in einer Krise.

Was bei der Argumentation nicht beachtet wird: Es gibt keine Kostenloskultur und das Modell der Tageszeitung ist nicht in einer Krise, sondern im Wandel, der allerdings (fast) kollektiv von den Verlagen verschlafen wird.

Bei dem Begriff Kostenloskultur frage ich mich immer, ob man diese nicht auf meinen örtlichen Porsche-Händler ausweiten könne. Das wäre außerordentlich praktisch. Ich bin mir jedenfalls sich, dass ich genügend Mitstreiter finden würde. Wenn wir dann alle zusammen sagen, dass wir nur einen Porsche fahren, wenn wir diesen kostenfrei bekommen… Mal im Ernst. Es gibt keine Kostenloskultur, es gibt höchstens schlechte Geschäftsmodelle. Und ein Geschäftsmodell bei dem man sein Produkt unter Wert verscherbelt und sich am Ende wundert, dass der Laden pleite geht, sorry, aber das ist einfach so innovativ wie die Blümchentischdecke meiner Oma. Wo wir beim zweiten Aspekt, der Krise, sind.

Genau wie die Blümchentischdecke war die Tageszeitung nicht von heute auf morgen ein Problemfall. Eine Krise kommt und geht auch wieder. Meist recht drastisch. Die Auflagen und Anzeigenerlöse fallen aber kontinuierlich seit mindestens zehn Jahren. Besserung ist nicht in Sicht – abgesehen vielleicht von einem flächendeckenden Paywall-Modell, für das sich Döpfner ausspricht. Eine Paywall ist aber kein Modell, es ist eine Grundvoraussetzung zum erfolgreichen Wirtschaften. Ein Modell sollte Leute dazu bewegen hinter die Paywall zu treten. Darum sollte es gehen. Die Tageszeitung an sich ist dabei im Wandel. Die Inhalte, also der Output von Autoren und Fotografen ist es nicht. Aber das Konzept, dass man jeden Abend Nachrichten auf Papier druckt und an die Briefkästen ausliefert. Dieses Konzept ist im Wandel. Und das ist es seit zehn Jahren. Die einzigen allerdings, die sich dieser Problematik ernsthaft angenommen haben, sind US-Amerikanische Konzerne wie Apple und Google. Sie haben neuartige Lesegeräte und eine neuartige Werbevermarktung geschaffen. Die deutschen Herausgeber haben aber nichts gemacht – außer Stellen zu streichen und Einsparungen vorzunehmen.

Mich wundert das alles nicht.

* Das beliebte Kombiangebot aus Digital-Abo und Tablet für einen monatlichen Preis wurde mit der Insolvenz offensichtlich eingestellt.

Kommentare

  1. Dominik Schmidt – Eine Übersicht: Die Zeitungskrise in den Medien

    [...] do-s.de Die Krise der Zeitung, die eigentlich keine ist Im Moment scheint es Schlag auf Schlag zu gehen: Springer-Chef Mathias Döpfner kündigt eine Paywall für Welt Online und in Zukunft auch für Bild Online an. Gleichzeitig meldet die Frankfurter Rundschau Insolvenz an. Doch das Wort Krise ist hier unangebracht. Denn es ist keine Systemkrise, sondern ein Systemwandel. [...]

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