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Nachdem ich mich gestern über die Haptik der Zeitung ausgekotzt habe, ist es an der Zeit nach Alternativen zu suchen. Eigentlich ist es ganz logisch: die elektronische Alternative, die dem Zeitungslesen am ehesten gerecht wird, ist ein Tablet. Der Quasi-Standard unter den Tablets ist das iPad. So scheinen es zumindest die Verleger zu sehen und es gibt immer mehr Angebote für iOS.
Wenn vorher Papier das Medium für ein Zeitungs-Abo war, ist es jetzt also das iPad, von dem her ergibt es viel Sinn, wenn das Medium im Abo inklusive ist. Also iPad+digitales Abonnement. Im deutschsprachigen Raum gibt es da bisher eigentlich nur zwei interessante Angebote: Süddeutsche Zeitung und Frankfurter Rundschau. Zurecht sollte man bei solchen Angeboten allerdings misstrauisch werden. Wie bei subventionierten Mobiltelefonen bezahlt man im Abo/Vertrag oft wesentlich mehr als die Hardware nach aktuellem Kurs wert ist. Deswegen habe ich mir die Angebote mal etwas genauer angeschaut.
Der richtige Inhalt
Zuerst sollte man sich die Frage stellen, welchen Inhalt will ich haben. Bei beiden Angeboten bindet man sich für zwei Jahre und wer dies nur macht, um an einen Ratenkauf für das iPad2 zu kommen, sollte sich nach anderen Wegen umschauen. Die Angebote lohnen sich nur, wenn man die Zeitung auch liest!
Interessant ist es also nur für diejenigen, die vorhaben sich a) ein iPad zu kaufen und b) regelmäßig eine Zeitung im Abo darauf zu lesen.
Welches der beiden Angebote man wählt ist natürlich auch Geschmacksfrage. Die Süddeutsche ist qualitativ sicherlich besser, lässt sich das aber auch bezahlen. Der FR-App sollte man allerdings Tribut zollen, denn sie ist Pionier im App-Dschungel. Die “kleine” Frankfurter Rundschau hat als erste deutsche Zeitung eine App auf die Beine gestellt und viel Beifall seitdem dafür bekommen. Rein technisch scheint sie ausgereifter zu sein, inhaltlich aber eben auf FR- und nicht SZ-Niveau. Das sind aber nur Schätzungen meinerseits, die ich aus Videos, Produktbeschreibungen und den Bewertungen im App-Store herleite – genutzt habe ich bisher beide nicht.
Die Preisfrage
Ich habe ein wenig gerechnet und versucht das Geschäftsmodell dieser Kombi-Abos zu verstehen. Fangen wir mit der Frankfurter Rundschau an.
Für 29,90 Euro monatlich und einer Einmalzahlung von 99 Euro erhaltet ihr ein iPad2 Wifi 16GB, also das günstigste Modell der Apple-Palette. Dazu natürlich täglich die FR-App. Der Vertrag geht zwei Jahre und danach geht das iPad2 in euren Besitz über und ihr könnt die App kündigen. Insgesamt entstehen also Kosten in Höhe von 816,60 Euro. Würde man nur die App für zwei Jahre abonnieren (ohne iPad-Zugabe), bezahlt man 431,76 Euro. Aus der Differenz lässt sich also der Preis für das iPad herleiten: 384,84 Euro. Der Referenzpreis für das iPad2 Wifi 16GB von Gravis liegt bei 479 Euro. Sprich das iPad2 wird durch das Kombi-Abo rund 100 Euro billiger bzw. subventioniert.
Bei der Süddeutschen sieht es ganz ähnlich, nur teurer, aus. Die monatliche Rate beläuft sich auf 39,90 Euro plus einer Zuzahlung von 125 Euro. Insgesamt auf zwei Jahre also 1082,60 Euro. Allerdings liegt das am höheren Preis für die App und nicht an einer schlechteren Kondition für das iPad. Alleine die App im Abo kostet nämlich stolze 699,76 Euro. Das macht einen Preis für das iPad von 382,84, also sogar zwei Euro günstiger als bei der FR. Es kann allerdings sein, dass der Apple-Care-Service, der bei der FR inklusive ist, diesen Unterschied begründet.
Ein interessanter Vergleich ist hier auch der Preis für ein Print-Abo bei der SZ. Das kostet nämlich 1123,20 Euro auf zwei Jahre gerechnet. Und damit 40,60 Euro mehr als das iPad-DigiAbo Angebot.
Nachteile des Lockangebots
Das größte Problem ist der schnelle Schritt der Technik. Vor allem der Tablet-Technik. Ihr bindet euch an ein Gerät, das in zwei Jahren womöglich mehr als veraltet ist. Bedenkt man, dass es vor zwei Jahren diese Geräteklasse noch gar nicht gab.
Auch besteht die Gefahr eines Defekts oder Diebstahls. Anders als beim Printabo, bei dem das Papier nicht kaputt gehen kann, ist ein Verlust des Tablets ein großes Problem. Ihr seit an Apple gebunden und müsstet teuer in einen Ersatz investieren. Was bringt einem ein Abo, wenn das Medium zum Konsumieren fehlt? Bei der SZ gibt es immerhin die Möglichkeit auf des ePaper, also die PDF-Version, auszuweichen. Android-Apps bieten aber beide bisher nicht an. Update: Die Frankfurter Rundschau hat ein Android-App im Angebot. Ein Kombi-Abo mit Android-Tablet ist anscheinend auch geplant.
Letztlich will ich auch nicht unerwähnt lassen, dass die Vertriebsbindung an Apple für Verlage gefährlich ist. Es scheint im Moment eine Hass-Liebe zwischen Verlagen und Apple zu bestehen. Viele hoffen auf das Amazon Kindle Fire. Das könnte das Monopol von Apple durchbrechen. Allerdings scheint mir ein 10-Zoll-Gerät zum Lesen von Zeitungen/Zeitschriften einfach besser geeignet zu sein.
Also, lohnt es sich?
Ja, für alle, die sich ein Tablet und ein Zeitungsabo zulegen wollen. Es lohnt sich nicht, wenn man nur auf das Gerät selbst aus ist. Die Preisgestaltung ist fair, sowohl bei der SZ, also auch bei der FR. Die Süddeutsche ist einfach eine Hausnummer für sich, da sind die 260 Euro Aufpreis gerechtfertigt. Und wie oben beschrieben, ist das Kombi-Angebot günstiger als ein Print-Abo!
Letztlich bleibt nur das flaue Gefühl im Magen, dass es sich hier um Neuland handelt. Was wir bei Mobiltelefonen gewohnt sind, ist bei Tablets und der festen Bindung von Hardware und Content noch nicht “erprobt”.
Ich bin generell kein Freund von Vertragsbindungen und Ratenzahlungen. Allerdings wird mein Wunsch nach einem Tablet bei jedem Aufschlagen der Tageszeitung größer.
Update Man vermutet es kaum, aber auch die taz hat ein Prämienangebot in Form eines iPad2. Und es scheint ein richtig lohnenswertes zu sein. Zum Printabo (Monatspreis 37,90 Euro) und einer Zuzahlung von 199 Euro bekommt man mindestens für ein Jahr die taz zugestellt (Print und ePaper) und ein iPad2 3G 16GB. Die 3G-Variante läuft derzeit mit einem Neupreis von 599 Euro. Also erhält man zum Abo eine 400 Euro Prämie. Auch wenn das Printabo traditionell nicht gerade billig bei der taz ist, so günstig kommt man kaum an ein Abo-Tablet-Angebot.
Fragt sich nur, wieso die taz das macht. Es gibt meines Wissens nach kein taz-app (gibt es doch, auch wenn der Links auf der taz-Seite nicht gesetzt wurde) und wer von Print auf Digital umsteigen möchte, will bestimmt kein Jahresabo der gedruckten Ausgabe.
Kommentare
Anna #
dos #
Liebe Grüße!
Dominik Schmidt – Das iPad Mini bietet neue Chancen für die (Medien-) Industrie #
Dominik Schmidt – Die Krise der Tageszeitung, die eigentlich keine ist #
Dominik Schmidt – Zeitungsabos mit iPad zu Weihnachten #
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